Popmusik

Wo ich doch gerade dabei bin Musik zu supporten, ich bin im Moment (wie meistens um diese Zeit im Jahr) unterwegs. Diesmal hat es mich wieder in die “Mitte” der USA verschlagen. Irgendwo ins Nirgendwo. Da das fernsehen auch hier nicht wirklich an Qualität gewinnt, sondern wie bei uns eher verliert, nehmen die Zeiten zu in denen ich einfach nur Musik höre und lese.

Genau, lesen, diese altmodische Geschichte mit den Büchern. Ich habe festgestellt das lesen offenbar eine sehr gute Methode ist um leute kennen zu lernen. Ich sitze beim aktuellen Wetter (18ºF ~ -8ºC, viel Wind und Schnee) lieber irgendwo drinnen, lese und geniesse einen guten Kaffee. Diese Situation hat sich hier auf der anderen Seite der Welt ja deutlich verbessert. ZUm Standard gehört es hier mittlerweile auch das man in dieses Lokalitäten kostenlos Internet nutzen darf. Ist nichts um Filme zu übertragen, aber zum Radio streamen reicht es völlig aus.
Also, zum eigentlichen Punkt des Beitrags, ich lese im Moment gerade High Fidelity von Nick Hornby. Der Film ist ja mehr oder weniger Kult für jeden der Tokio Hotel verweigert und 8 von 10 Titel in den Top 10 nicht kennt. Also was fur den langfristigen Musikliebhaber. Ich möchte mal daraus zitieren, da mir das so etwas aus dem Herzen spricht und mehr oder weniger die Wahrheit ist, zumindest aus meiner Sicht.

Einige miner Lieblingssongs sind: “Only Love Can Break Your Heart” von Neil Young, “Last Night I Dreamed That Somebody Loved Me” von den Smiths, “Call Me” von Aretha Franklin, “I Don’t Want To Talk About It” von irgendwem. Und hätten wir noch “Love Hurts” und “When Love Breaks Down” und “How Can You Mend A Broken Heart” und “The Speed Of The Sound Of Loneliness” und “She’s Gone” und “I Just Don’t Know What To Do With Myself” und … Einige dieser Songs habe ich im Schnitt einmal pro Woche gehört (dreihundert mal im ersten Monat, hin und wieder danach), seit ich sechzehn oder oder neunzehn oder einundzwanzig war. Wie soll man das unbeschadet überstehen? Muß einen das nicht zum Menschen machen, der sich sofort in seine Bestandteile auflöst, wenn die erste Liebe scheitert? Was war zuerst da, die Musik oder das Unglücklichsein? Hörte ich mir die Musik an, weil ich unglücklich war? Oder war ich unglücklich, weil ich Musik hörte? Machen mich all diese Platten zu einem melancholischen Menschen? Die Leute machen sich Sorgen , weil Kinder mit Kriegsspielzeug spielen und Teenager Gewaltvideos gucken, wir fürchten, sie könnten der einer Kultur der Verrohung anheimfallen. Niemand sorgt sich um die Kinder, die Tausenden – buchstäblich Tausenden – von Songs über gebrochene Herzen, Zurückweisung, Schmerz, Leid und Verlust lauschen. Von allen Menschen, die ich kenne, haben diejenigen am wenigsten Glück in der Liebe, denen Popmusik am meisten bedeutet. Ich weiß nicht, ob Popmusik der Auslöser dieses Unglücklichseins ist, aber ich weiß, daß sie schon länger traurige Songs hören, als sie ein unglückliches Leben führen.
Nick Hornby, High Fidelity

Genau was ich sage, was manchmal so im Radio läuft ist viel gefährlicher als jedes Spielzeug das man kaufen kann. So manche Richtung Musik bringt macht einen ja direkt depressiv was sie dann zum idealen Begleiter macht wenn man eben depressiv sein möchte.

Portishead war und ist so etwas für mich, ich höre es gern wenn die Stimmung nicht so gut ist und manchmal ist die Stimmung auch nicht mehr so gut wenn man sie zu lange gehort hat. Mal davon abgesehen das Portishead dei meiste Zeit große Klasse ist.

Alles in allem ist das Buch eine echte Empfehlung, der ich erst viel zu spät nachgekommen bin. Mein Bruder bringt mir das Buch schon eine Weile nahe, da sich der Film in meinen “Top Five” befindet. Wie immer soll das Buch natürlich viel besser sein. Meine Meinung ist das sich das Buch vom Film unterscheidet, aber besser? Ich bewerte beides, Buch wie Film, als sehr gut, beide bringen einen zum nachdenken, lachen und drüber reden. Es bleibt etwas hängen und das ist es am Ende doch worauf es ankommt, oder?

Na ja, bei mir wird es dann am kommenden Donnerstag, Thanksgiving, wieder das Kaffee unten im Ort sein. Es wird wohl Tosca mit “Suzuki In Dub” und Zero 7 mit “Simple Things” laufen und für’s Gehirn gibt es Michael Crichtons “Next”. Im Gedenken sozusagen…

M